Immobilie geerbt

Versicherungsschutz | 2/3/2017

Immobilie geerbt, was nun?

Versicherung

Was Erben bei Leerstand der Immobilie beachten müssen. Quelle: Pfefferminzia

Bei einer Schenkung ist es in der Regel so, dass der Erblasser weiterhin die Immobilie bewohnt. Zwingend ist aber, dass der Beschenkte eine Haus-und Grundbesitzerhaftpflicht abschließt (Paragraf 836 BGB). Das gilt auch für den Erben beziehungsweise die Erbengemeinschaft. Mit Tod des Erblassers geht die Haftung auf die Erben über.

Ein weiteres Risiko, das in vielen Fällen bei Tod des Erblassers auftritt, ist das Unbewohntsein der Immobilie. Das ist eine Gefahrenerhöhung, die dem Versicherer mitzuteilen ist. Unbewohnt sein heißt, dass die Immobilie länger als 60 Tage nicht bewohnt und beaufsichtigt wird. Dabei reicht es nicht aus, dass jemand alle zwei Tage vorbeischaut. Es muss in der Immobilie regelmäßig eine Person leben und nächtigen.

Vorsicht bei unbewohnten Gebäuden

Die Versicherer schränken bei Kenntnis von unbewohnten Gebäuden die Leistungen ein oder verweigern die Fortführung des Vertrages. Das ist für die Erben ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Leider ist es so, dass sich kaum ein Versicherer findet, der dieses Objekt dann versichert.

Sollte noch Mobiliar in dem Haus vorhanden sein, gilt das gleiche für die Hausratversicherung. Auch hier erlischt der Versicherungsschutz, wenn der Versicherer nicht informiert wird.
Kürzlich habe ich ein Angebot eines Hausratversicherers auf dem Tisch liegen gehabt, der eine Prämie von 4.850 Euro – in Worten: viertausendachthundertfünfzig Euro – für das unbewohnte Risiko haben wollte. An diesen Zahlen erkennt  man, wie kritisch die Versicherer solche Risiken betrachten. Dieses Risiko trägt übrigens auch der Käufer einer Immobilie, der wegen Sanierungen das Haus über 60 Tage hinaus nicht bewohnt.

Wurde nur die Immobilie ohne Inventar oder weiterführender Nachlaß von einer Person geerbt und ging Inventar und weiterführender Nachlaß in die Erbengemeinschaft über, haftet dieser Erbe der Immobilie gegenüber evtl. anderen Miterben auch für die Verschlechterung der Sache z.B. des Inventars oder anderer Erbnachlaßgegenstände.

 

Erbverzicht und Folgen

Ein Wort in eigener Sache an dieser Stelle:

Eltern, die etwas vererben möchten, sollen genauso gut an die Konsequenzen und Notwendigkeiten vorher denken, wie die Erben später.

Guter Rat ist im Nachgang teurer. Ich mußte es selbst erleben. Was gut gemeint war, um Streit zu vermeiden, führte zum größten Streit im Nachgang überhaupt. Heute kann ich Klassenkameraden und Kunden nur raten, Immobilienübertragung zu Lebzeiten mit Wohnrecht und der Verpflichtung der Absicherung im Alter wäre eine gute Sache und ist nach ausführlicher Beratung durch einen Notar zu empfehlen. Auf keinen Fall aber sollte man zu Lebzeiten auf ein Immobilienanteil oder eine Immobilie verzichten, wenn von den Eltern Gleichbehandlung gewünscht wird. Hier gibt es andere Lösungen, die erfahrene Anwälte für Erbrecht aufzeigen können, bevor es zum Notar geht.

In eigener Sache habe ich hier die Erfahrung gemacht und zu Lebzeiten meiner Eltern auf Haus und Grundstück zu Gunsten meines damals immer wieder arbeitslosen Bruders. Beabsichtigt war, daß mein Bruder das Haus  und die Gewerbeeinheit "Schülers Biergarten" übernimmt und bis zu Lebzeiten bewohnt und sich ggf. selbständig macht, um so nicht weiter vom Staat in die soziale Abhängigkeit zu geraten.

Daher meine Aussage beim Notar zur Frage Mehrwertausgleich: ich verzichte, denn wie soll mein Bruder mich später auszahlen und das Grundstück halten können.

Leider sind meine Eltern an Krebs beide viel zu schnell verstorben und konnten die Übertragung an meinen Bruder im Grundbuch nicht regeln. Am Totenbett hat meine Mutti Helga Schüler verfügt, ich solle das Inventar auflösen und das Geld wie es im Testament steht, teilen. Doch dazu kam es nicht.

Kaum war meine Mutti im Krankenhaus und bekam die Nachricht Krebs im Endstadium, untersagte mein Bruder mir den Zutritt.

Erst mit Vollmacht meiner Mutti und Anruf bei der Nachbarin Frau R. erhielt ich den Schlüssel für wichtige persönliche Sachen im Krankenhaus.  Auch wertvolle Münzen sind nachweislich entwendet, ebenso wie Bargeld, welches für die Beerdigung gedacht war. Mit dem Verschluß der Immobilie erhielt ich als Schwester trotz des Verzichtes auf die Immobilie zu Gunsten meines Bruders "Andy" keinen Zutritt. Ich organisierte die Beerdigung und alle Behördengänge mit dem Beerdigunginstitut, dies mit dem Familienstammbuch und löste auch damit auch die bestehenden Versicherungen auf.

Auf den Fuß folgte, daß mein Bruder mich bei der Polizei in Magdeburg 1 Jahr später anzeigte wegen Unterschlagung der Geburtsurkunde :-).
Das Verfahren wurde sofort eingestellt. Es war lächerlich, haltlos und ganz nebenbei eine Geburtsurkunde kostet vielleicht 15 € und ist beim Standesamt erhältlich.

Er verklagte mich, aus dem Grundbuch heraus, bzw. ich ging 2016 aus eigenen Stücken aus dem Grundbuch heraus, weil weitere Forderungen aus nicht bezahlten Rechnungen wie Grundsteuer, Hauskosten und Schornsteinfeger auf mich zu kommen sollten. Und die Vollstreckung der Grundsteuer wurde bei den Miterben (mir) angekündigt, weil mein Bruder seiner Verpflichtung zur Zahlung nicht ordnungsgemäß nachkam.

Heute würde ich nicht wieder auf die Immobilie auf Wunsch meiner Eltern verzichten. Aber zurück geht nimmer, aber anderen einen Rat geben immer.

Im übrigen ist die Immobilie seit Mai 2015  unbewohnt, mein Bruder als Alleinerbe der Immobilie kümmert sich weder um die Instandhaltung noch um Reparaturen. Auch hier gingen von ihm trotz meiner Verzichtserklärung Forderungen mir gegenüber ein. Unglaublich.

Im übrigen hat er mit dem Todeszeitpunkt die Immobilie sofort bewerten lassen und festgestellt, daß Sie um einiges mehr Wert ist, als beim Notar in der damaligen Verzichtsurkunde 130.000 € seinerzeit vor Modernisierung, Anbau und Erweiterung (2011) festgesetzt.

Doch Eigentum verpflichtet nicht nur, man sollte es auch nicht verkommen lassen.

Denn sonst besteht nicht nur Gefahr des Einbruches und Diebstahls. Immobilien, die nicht unterhalten werden, wo Leitungen einfrieren oder Grundwasser ins Mauerwerk zieht, verkommen und sind nachher nur noch den Bodenwert Wert und vielleicht gerade noch so der 2011 festgesetzte Wert von 130.000€.