Im nächsten Leben werde ich Makler - 20 Jahre Selbständigkeit

ein kurzer Rückblick - wie es begann | 25/2/2020

 

Immer wieder stellen sich junge Leute für ein Schülerpraktikum in meinem Unternehmen vor oder bewerben sich aus dem 2. Bildungsweg als Immobilienmakler.

In der Regel, wegen der Mär: " Der Makler verdient sein Geld im Schlaf!" oder dem Rat der Eltern und Freunde: werde Makler und Du hast ausgesorgt.

Dass dies aber nicht so ist, zeigt die Praxis. Auch hier steckt viel Arbeit, Kosten und Auflagen hinter dem Beruf eines Immobilienmaklers. Die Verbände kämpfen seit Jahren um ein besseres Image des Maklerberufes. Aber liegt es nicht zuletzt auch an den Kunden, ob er nur eine schnelle Immobilienvermittlung sucht oder zu dem Maklerbüro seines Vertrauens vor Ort geht und sich in einem umfassenden Beratungsgespräch Hilfe und Rat sucht?  Es gibt genügend schwarze Schafe am Markt auch im Immobilienbereich. Es gibt Makler, die in Insolvenz gegangen sind und Geschäftspartner nach dem gemeinsamen Erfolg um ihr verdientes Geld gebracht haben. Aber gibt es dies nicht in allen Berufen, so wie es Menschen gibt, die den Erfolg Wert schätzen und andere, die es neiden, weil sie selbst nichts auf die Reihe bekommen und vom geschenkten leben.

Oft werde ich von Schülerpraktikanten oder in Gesprächen mit Kunden gefragt: "Wie sind Sie eigentlich Makler geworden?" Dann fange ich an zu korrigieren: ich bin durch die Tätigkeit zwar Makler, aber Makler kann jeder machen - ich bin ausgebildete Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und Sachverständige. Der Unterschied liegt nicht nur in jahrelange praktischer Erfahrung, sondern vor allem in der Fachkernkompetenz der Ausbildung und der Fortbildung.

Nur letztlich habe auch ich einmal 1993 gesagt: in meinem nächsten Leben werde ich Makler!  Denn zu dieser Zeit konnte jeder, der ein Telefon und Kontakte besaß, ein schnelles Geschäft für leicht verdientes Geld realisieren. Aber auch der Kontakt abends in der Kneipe reichte gerade bei Gewerbeimmobilien oft aus, am nächsten Tag schon einen Vertragsabschluss zu realisieren. Häuser zur Miete waren gerade der Renner, da Kapitalanleger investierten und Mieter gesucht wurden. Ein Anruf des Maklers beim Bauträger: ich schicke Ihnen gleich Familie ........, sie möchten das Haus mieten. Bonitätsprüfung oder ähnliches oblag damals noch den Bauträgern im Büro oder wurden vom Makler halbherzig nachgereicht. Oft musste ich dann mit dem Kopf schütteln, wie oberflächlich hier vorgegangen wurde.

So geschah es z.B. dass ein späterer Bürgermeisters des Wohnortes W.....n, wie später herauskam im Raum Hannover auf Grund seiner Vergangenheit gesucht wurde, hier aber mit einem dicken Mercedes vorfuhr und bei dem Makler Eindruck hinterließ. Eine Immobilie, die eigentlich verkauft werden sollte, wurde ihm über Monate frei gehalten, wobei dann ein Mietkauf Modell konstruiert wurde, er einzog und nie einen Cent Miete zahlte. Wie das geht, frag ich mich noch heute.

Es ist oft nur der Anschein, der blendet.

Aber schmunzeln muss ich doch oft und denke zurück, wie es begonnen hat. Als Facharbeiter für Schreibtechnik, Sekretärin und Mitarbeiterin der Bezirksverwaltung war ich nicht in der Lage Kreativität auszuüben, man unterlag Zwängen, Vorschriften, Vorgaben.

Durch eine Schicksalsfügung landete  ich bei 3 großen Bauunternehmen, die sich mit dem Bau von EFH, MFH und Gewerbeobjekten befassten und große Objekte im Raum Sachsen Anhalt realisierten. 2 Chefs fragten mich: wollen Sie sich nicht selbständig machen und für uns als Berater und Vermittler auf Provisionsbasis arbeiten? Damals legte ich auf Grund fehlender Sicherheit und fehlendem regelmäßigen Einkommen ab.

Es war die Nachwendezeit, die Zeit des Umbruchs, des Neuanfangs und der Kreativität. Schlagworte wie Mietgarantie, Mietpool, Mietkauf  machten die Runde und wurden, obwohl unser BGB hierfür keine rechtlichen Vorgaben hergab, praktiziert.  Ein Düsseldorfer Unternehmen mit Sitz in 39114 Magdeburg Oststraße suchte gerade eine Mitarbeiterin im kaufmännischen Bereich. Die Sekretärin hatte das Handtuch geworfen, weil ihr die Aufgaben über den Kopf wuchsen.  Ich suchte eine Arbeit in der Nähe der Kindertagesstätte unserer Tochter und wollte aus Ostelbien nicht raus. Kreativität, Flexibilität und nicht auf die Uhr schauen, das lag mir - der Weg war das Ziel.

Mich erwarteten ein Büro in einer Villa, ein pfiffiger kompetenter Geschäftsmann aus Spanien und ein Architekt aus Sundern, später kam dann noch ein Bauleiter aus Magdeburg und ein Geschäftsführer aus Wiesbaden hinzu. Wir wurden ein super eingespieltes Team und ich erhielt mit den zunehmenden Aufgaben auch Vertrauen der Geschäftsführung aus Düsseldorf, so dass manche Abstimmungen nur noch am Telefon bzw. 1x im Monat in einer Dienstberatung erfolgten. Es war die lehrreichste und schönste Arbeitsstelle. Den schlechteren Verdienst glichen sie mit kleinen Annehmlichkeiten aus: Auto mit Telefon, Geldzuwendung für Dress und Friseur bei Musterhauseröffnungen und letztlich auch die Ausbildung zur Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Als dann der oberste Chef der Lentjes Holding beschloss, seine Struktur zu vereinfachen und Magdeburg zu schließen, hatte ich die Wahl Aschersleben und Meisdorf zu übernehmen oder mir etwas anderes zu suchen. Geblieben sind nur positive Erfahrungen, lehrreiche praktische Erfahrungen (andere Kommilitonen und auch Lehrkräfte staunten in der Ausbildung, da ich zu den theoretischen Themen immer gleich praxisnahe Beispiele einbrachte) und er Blick für Bauvorhaben der Zukunft. Gewandelt hat sich die Praxis und Zusammenarbeit mit dem Bauamt, die Umsetzung von Vorhaben durch neue Auflagen und Vorschriften.

Es folgte ohne Arbeitslosigkeit oder Pause nach der Düsseldorfer Firma die Tätigkeit in einer Magdeburger Firma mit Berliner AG. Als diese in Insolvenz ging wechselte ich wiederum ohne Pause in ein Wohnungsbauunternehmen aus Schwerte mit Sitz in Magdeburg. Als Ende 99 wiederum die Schließung der Niederlassung zur Sprache kam, meldete ich zur Sicherheit schon mal mein Maklergewerbe an.  2000 machte ich mich dann selbständig. Geblieben sind mir alle Kontakte aus den Unternehmen, den Fachkompetenz, Vertrauen, Ehrlichkeit sowie Beziehungen und Kontakte sind gute Grundpfeiler für den Aufbau einer Selbständigkeit. Schauen wir mal 3 Jahre, dann 5 Jahre, dann 10 Jahre - waren das Ziel. Aber auch als die Zeiten schwieriger wurden, die Kunden und Aufträge nahmen nicht ab und so sind es nun 20 Jahre geworden.

Heute berate ich im Jahr telefonisch oder persönlich über 800 Kunden jährlich, freue mich über alte Kontakte und wiederkehrende Aufträge, einigen Familien habe ich inzwischen in der 2. Generation geholfen. Mein Wunsch ist es, kleinere Episoden aus meinem "Maklerleben" zu Papier zu bringen, um so die den Wandel der Maklertätigkeit als anerkannter Beruf aufzuzeigen.

Von Schlagworten wie Sorglosmakler halte ich nichts. Haben die Kunden Sorgen mit dem Makler oder genießt der Makler die Sorgen der Kunden? Von Plakatieren der Grundstücke mit möglichst großen Planen halte ich ebenso wenig. Der persönliche Kontakt, das persönliche Beratungsgespräch und die Individualität des Auftrages liegen mir am Herzen.


Ich bin ein Vertrauensmakler, genieße das Vertrauen der Kunden und dies schon über 20 Jahre, in dem ich die Kunden durch Höhen und Tiefen des Lebens begleite und gern mit Service Plus diene. Es ist wie das Stückchen Apfelkuchen im Cafe, welches mit Sahne dargereicht wird. Der Kunde kann die Sahne essen und genießen oder sie drauf lassen. Das Plusdienstleistungspaket beim Hausverkauf kann er bei mir kostenfrei auch einfach hinnehmen oder nicht.

 

Mein Wunsch wäre ein Fachkundenachweis mit IHK Abschluß oder Studium für alle Makler.

Die Grundlagen der Ausbildung: Kauffrau/Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft

AWL - Allgemeine Wirtschaftlehre (liebe Grüße an Herrn Ranzinger)
BWL - Betriebswirtschaftlehre (liebe Grüße an Frau Rohde)
Grundstücksrecht und Mietrecht (liebe Grüß an Herrn Fern Rechtsanwalt und beratender Jurist der IVD)
Förderung und Baufinanzierung (liebe Grüße an Herrn Stein)
Bau - Baurecht - Bauplanung - Wertermittlung (liebe Grüße an Herrn Stein)